BBBank Inform - September 2019

UNTERBESETZT

Lehrermangel dramatischer als angenommen

Quelle: kamasigns/Fotolia

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung bestätigt Berechnungen und Prognosen der Lehrer- und Bildungsgewerkschaften. An Grundschulen wird gar ein dramatischer Lehrermangel befürchtet. Aber auch heute fällt es mitunter schwer, die offenen Stellen für Lehrkräfte zu besetzen.

Die Bertelsmann Stiftung hat die Studie auf Basis der neuesten Zahlen und Berechnungen des Statistischen Bundesamts vorgelegt. Der Lehrermangel wird im kommenden Jahrzehnt deutlich höher ausfallen als es die Kultusministerkonferenz (KMK) noch im Oktober 2018 prognostiziert hat. Bis 2025 fehlen demnach 26.300 Grundschullehrkräfte. 11.000 mehr fehlende Lehrkräfte als es die Kultusminister vorhergesagt haben. Der Unterschied geht vor allem auf einen stärkeren Anstieg der Schülerzahlen zurück. Die KMK ging davon aus, dass die Zahl der Schüler/innen in der Primarstufe im Jahr 2025 bei 3.064 Millionen liegen würde. Laut einer Schülerzahlenprognose auf der Basis der aktuellen Bevölkerungsvorausschätzung des Statistischen Bundesamts, sind es jedoch 3.232 Millionen Grundschulkinder.
 

"Die Bewältigung des Lehrermangels ist eine Herkulesaufgabe. Die Zahl der Schüler/innen wächst dynamischer als angenommen", sagt der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger. "Es wird noch etliche Jahre dauern, bis die zusätzlich eingerichteten Studienplätze für das Lehramt an Grundschulen auch mehr Absolventen hervorbringen. Wir brauchen daher schnelle Lösungen, um gute Bildung für alle gewährleisten zu können", meint Dräger.
 

Die größte Bildungsgewerkschaft in Deutschland, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), fordert von der Politik daher, die „Lehrkräftebildung auszubauen“, den Numerus clausus (NC) für das Grundschullehramt abzuschaffen sowie die Zahl der Studien- und Lehramtsanwärterplätze deutlich zu erhöhen. „Es ist eine Schande, dass junge Menschen, die sich für den wichtigen Beruf der Grundschullehrerin oder des Grundschullehrers entschieden haben, keinen Studienplatz bekommen“, sagt die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe mit Blick auf die Studie zum Lehrerbedarf und zur Schülerzahlentwicklung der Bertelsmann Stiftung.
 

Außerdem müsse die Bezahlung verbessert werden. Angesichts der Mangelsituation an Grundschulen bei gleichzeitig zu vielen Absolventinnen und Absolventen für das gymnasiale Lehramt müssten die Länder, die die Grundschullehrkräfte noch nicht nach A13 (Beamtinnen und Beamte) oder E13 (Angestellte) bezahlen, endlich nachziehen, fordert Tepe.
 

Auch die Lehrergewerkschaften des dbb melden sich zu Wort und fordern mehr Wertschätzung für Lehrkräfte. Der Deutsche Philologenverband (DPhV) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) fordern bei der Bezahlung ein bundesweit abgestimmtes Vorgehen. Der VBE spricht sich für eine gleiche Eingangsbezahlung aller Lehrkräfte aus: Diese sei „durch die gleiche Ausbildung gerechtfertigt“, sagt der VBE Bundesvorsitzende Udo Beckmann und verweist auf den jeweils gleichen Studien- und Ausbildungsabschluss sowie die gleiche Länge des Vorbereitungsdienstes. Wer mit einem Hochschulabschluss im öffentlichen Dienst arbeite, werde in der Besoldungsgruppe A13/Entgeltgruppe E13 eingestellt. „Und das muss endlich auch für Lehrkräfte an Grundschulen gelten“, fordert Beckmann und stellt zugleich klar: „Alle Lehrkräfte vollbringen Großes: Sie stärken die Schwachen, unterstützen die Starken, fördern und fordern und stellen sich ganz individuell auf die unterschiedlichen Kinder ein. Jede Lehrkraft in Deutschland hat Verantwortung für die Entwicklung, die Bildung und Erziehung vieler Kinder. Sie alle eint, dass sie sich mit hohem Engagement einsetzen und sich täglich den unterschiedlichen Herausforderungen stellen, die der Lehrberuf mit sich bringt“, meint Susanne Lin-Klitzing, die Bundesvorsitzende des DPhV.
 

Hier können Sie die Studie der Bertelsmann Stiftung downloaden.