BBBank Inform - Mai 2017

AKTUELLE STUDIE

Personalausstattung im öffentlichen Dienst

Eine aktuelle Studie zeigt mit deutlichen Zahlen den zu erwartenden Mangel an Fachkräften im öffentlichen Dienst. Der Präsident des Bundesverwaltungsamtes Christoph Verenkotte und der Vorsitzende des dbb beamtenbund und tarifunion Klaus Dauderstädt warnen vor einem personellen Notstand.

Der Präsident des Bundesverwaltungsamts Christoph Verenkotte fordert ein riesiges Einstellungsprogramm. Die Welle der bevorstehenden Pensionierungen "wird uns zu schaffen machen", sagte der Behördenchef. Aufgrund des sich abzeichnenden Personalmangels werde es in Zukunft bestimmte Dienstleistungen gar nicht mehr geben, andere könnten nicht mehr in der gewohnten Qualität angeboten werden. "Wir werden in der Bundesverwaltung einen sogenannten Brain Drain bekommen", sagte der BVA-Präsident und meint damit den Verlust hochqualifizierter Fachkräfte. Es werde "Talent" und "Intelligenz" verloren gehen. Es gebe zwar den politischen Willen, auf das demografische Problem zu reagieren, aber es fehle die administrative Umsetzung, kritisierte Verenkotte.

Auch der Chef des dbb beamtenbund und tarifunion, Klaus Dauderstädt, sieht einen Personalnotstand im öffentlichen Dienst kommen. Neben der anstehenden Ruhestandswelle von geburtenstarken Jahrgängen - in den kommenden 15 Jahren werden 1,5 Millionen der heute insgesamt 4,6 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes altersbedingt ausscheiden - drohe ein Notstand, sagte Dauderstädt. Schon heute bestünden gravierende Personallücken auf allen Ebenen. Allein die Herausforderungen durch das Ankommen vieler Menschen auf der Flucht in den letzten Jahren hätten offenbart, wie viele Baustellen es wegen des Personalmangels im öffentlichen Dienst auf allen Ebenen des Staates gebe, so Dauderstädt. "Von den Sicherheitsbehörden über Betreuung, Erziehung und Bildung, den öffentlichen Gesundheitsdienst, die Arbeitsvermittlung bis hin zu sämtlichen Verwaltungskapazitäten insbesondere auf Landes- und Kommunalebene ist der Staat auf Kante genäht und damit nur schlecht für Krisen gewappnet." So sei beispielsweise der jetzige Personalstand allein in der Steuerverwaltung bedenklich niedrig. "Hier fehlen rund 20 Prozent Personal, um den laufenden Steuervollzug seriös und nachhaltig umzusetzen", erklärte der dbb Chef.

Nach einer Prognose der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) gibt es im öffentlichen Dienst einen erheblichen Fachkräftemangel, vor allem aber fehlen Lehrer, Verwaltungsexperten, Ingenieure, IT-Spezialisten und Mitarbeiter in Gesundheitsberufen. Bis zum Jahr 2030 werden demnach in Deutschland 194.000 Lehrkräfte sowie 276.000 Verwaltungsfachleute und Büroangestellte fehlen. Die jüngste Studie des PwC "Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst" wurde auf der Basis von Daten des Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR erstellt. Damit sei der öffentliche Dienst der Sektor mit dem größten absoluten Mangel. "Die Zeit drängt: Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, muss die öffentliche Hand schon heute deutliche Maßnahmen einleiten und sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren", sagt Alfred Höhn, Partner und Leiter des Bereichs Öffentlicher Sektor von PwC. "Der Staat muss Geld investieren, um Gehaltsstrukturen anzupassen, Digitalisierungsprojekte voranzutreiben und aktiv für seine Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst zu werben", meint Höhn.