BBBank Inform - Januar 2019

DGB BILDUNGSWERK BUND

Schöneberger Forum und Vergabe des Deutschen Personalräte-Preises

Jörg Radek, stellvertretender Bundesvorsitzenden der GdP

Unter dem Motto „Vielfalt gestalten: Perspektiven bieten, Kompetenzen nutzen“ fand das Schöneberger Forum statt. Rund 300 Vertreter/innen aus Personalvertretungen, Schwerbehindertenvertretungen, Gleichstellungsstellen und Gewerkschaften kamen in Berlin zusammen, um über Themen wie anonyme Bewerbungen, Quotenregelungen oder Inklusionsvereinbarungen zu diskutieren.

Im Rahmen des Schöneberger Forums wird traditionell die Preisverleihung für den Deutschen-Personalräte-Preis vorgenommen. Die Fachtagung für Beschäftigte im öffentlichen Dienst wird vom DGB Bildungswerk Bund in Kooperation mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund veranstaltet. Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende, nahm die Ehrung der Preisträger vor. Sven Hüber, Vorsitzender des Bundespolizei-Hauptpersonalrats beim Bundesministerium des Innern, ehrte als Vertreter der Jury den Goldpreisträger mit einer Laudatio.

Die BBBank ist seit vielen Jahren Partner beim Schöneberger Forum und war auch dieses Mal mit einem Ausstellungsstand vertreten, der regen Besuch verzeichnen konnte.

"Unsere Verfassung beruht auf Freiheitsrechten, die die freie Entfaltung und Entwicklung der Persönlichkeit ermöglichen“, so Jörg Radek, stellvertretender Vorsitzender der GdP, anlässlich der Eröffnung des diesjährigen Schöneberger Forums. Vielfalt müsse geschützt werden vor jenen, die sie ablehnen. Die Aufgabe von Gewerkschaften sei es daher auch, Vielfalt zu schützen, um sie gestalten zu können.

Travestiekünstlerin und Plenumsteilnehmerin Veuve Noire hat erlebt, was es heißen kann, wenn man in den Augen anderer von der angeblichen Norm abweicht. Aufgewachsen in einer ländlichen Gegend, hat sie zu spüren bekommen, dass Vielfalt nicht jedem gefällt. Für sie sei es daher eine Notwendigkeit, Aufklärungsarbeit zu leisten. So besucht sie Schulklassen, um Homophobie abzubauen.

Anonyme Bewerbungen seien laut Bernhard Franke, kommissarischer Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, jedoch ein gutes Mittel, um Diskriminierungen zu reduzieren. Allerdings nutzten bislang nur wenige Bundesministerien, unter anderem das für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dieses Instrument. Senatorin Elke Breitenbach stellte fest, dass die Diskussionen zum Thema Vielfalt oft geprägt seien von der Klassifizierung „normal“ und „unnormal“ – selbst im angeblich offenen Berlin. Eine große Schwierigkeit bei der Vielfaltsförderung im öffentlichen Dienst seien die unflexiblen Einstellungsverfahren, die nur auf formale Qualifikationen abstellen, und ausländische Abschlüsse oftmals nicht anerkennen würden. Deswegen könne man laut Bernhard Franke jedoch keine Aufweichung der Kriterien Eignung, Befähigung und fachliche Leistung fordern. Vielmehr müssten Stellenanforderungen um Vielfaltskompetenzen ergänzt werden.

Dies war auch eines der Themen der Diskussionsrunde „Wie wird Diversity im öffentlichen Dienst „gelebt“?“ mit Andreas Merx, Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für Diversity Management e.V., und Eren Ünsal, Leiterin der Landesantidiskriminierungsstelle Berlin. Diese machte auf einen Widerspruch aufmerksam, mit dem es umzugehen gilt: Positive Maßnahmen zur Förderung setzten die Festlegung von Gruppen voraus, die andererseits wegen der Vielschichtigkeit eines jeden Menschen nur schwer gebildet werden könnten und letztlich – zwecks Vermeidung von „Schubladendenken“ – eigentlich auch nicht gewollt seien. Auf die Einflussmöglichkeiten von Personalräten wies Andreas Merx hin. So sollten diese bereits bei der Ausschreibung einer Stelle darauf achten, dass eine große Bandbreite an Interessierten angesprochen werde. Zudem machte er auf den Diversitycheck (z.B. Berliner Diversometer) aufmerksam, den auch Personalräte für ihre Dienststelle durchführen und im Falle von Defiziten entsprechende Fördermaßnahmen einfordern könnten.

Wie immer richteten die Veranstalter – der Bundesvorstand des DGB und das DGB-Bildungswerk – es an beiden Veranstaltungstagen ein, ausgewählte Themen in sechs Fachforen eingehend zu beleuchten:

Forum I: Rechtlicher Rahmen für Geschlechtergerechtigkeit „Frauen sind anders – Männer auch!“

Forum II: Menschen mit Behinderungen im öffentlichen Dienst „Exklusiv oder inklusiv?“

Forum III: Ethnische Herkunft und Religion im öffentlichen Dienst „Andere Herkunft und Religion – gleiche Rechte – gleiche Pflichten“

Forum IV: Alt und Jung – Voneinander lernen „Ey, langsamer Opa“ – „Ach, unerfahrener Jungspund“

Forum V: LSBTI – an den Rand gedrängt? „Im Zeichen des Regenbogens“

Forum VI: Gute Praxis: Nominierte und Preisträger des Deutschen Personalräte-Preises 2018 stellen ihre Projekte vor

 

Deutscher Personalräte-Preis schafft mehr Anerkennung für Personalräte

Zigtausend Personalräte setzen sich jeden Tag mit Engagement für die Interessen von Beschäftigten im öffentlichen Dienst ein. Die Motivation, den Schwachen zu helfen, sind oft die Triebfeder für eine erfolgreiche Personalratsarbeit. Den Dienstherrn ist sie häufig ein Dorn im Auge. Deshalb setzt der Personalräte-Award klare Signale: Mit der Auszeichnung und Würdigung beispielhafter Projekte wird die Arbeit und der Einsatz der Personalräte publik gemacht und öffentlich gewürdigt.

Bessere Arbeitsbedingungen sind zentrales Thema der 2018 eingereichten Projekte. Das Projekt "Stadtpolizei 55+" wurde auf dem Schöneberger Forum, bei dem die BBBank seit vielen Jahren Partner und Aussteller ist, mit der Goldtrophäe ausgezeichnet. Der Preis 2018 in Gold wurde dem Personalrat des Ordnungsamtes der Stadt Frankfurt am Main verliehen. Dort entwickelte der Personalrat mit dem Konzept „Stadtpolizei 55+“ konstruktive Lösungen für den Einsatz älterer und gesundheitlich eingeschränkter Beschäftigter, die nicht mehr zu 100 Prozent im uniformierten Außendienst arbeiten können.

Mit Silber zeichnete die Jury den Personalrat der Technischen Universität Dresden aus. Die Interessenvertretung konnte Eingruppierungen durchsetzen, die den tatsächlichen Anforderungen gerecht werden. Der Gesamtpersonalrat der Universität Koblenz-Landau erhielt Bronze. Mit der Etablierung eines Bedrohungs-, Krisen- und Deeskalationsmanagements reagierte der Personalrat auf einen zunehmend rüden Umgangston und aggressives Verhalten gegenüber Beschäftigten der Hochschule.

Den Sonderpreis der DGB-Jugend hat die Arbeitsgemeinschaft der Jugend- und Auszubildendenvertretungen der Unikliniken Nordrhein-Westfalen bekommen. Sie setzte sich mit ihrer Kampagne „#unbezahlt“ erfolgreich für eine angemessene Vergütung in der Ausbildung ein.

Der „Deutsche Personalräte-Preis“ würdigt die beispielhafte Arbeit von Personalräten und zeichnet herausragende Projekte aus. Der Preis ist eine Initiative der Fachzeitschrift „Der Personalrat“ und wurde zum achten Mal vergeben. Preiswürdig sind Initiativen und Projekte von Personalräten sowie Jugend- und Auszubildendenvertretungen, die Arbeitsbedingungen, das Arbeitsumfeld oder soziale Regelungen für die Beschäftigten verbessern. Der „Deutsche Personalräte-Preis“ wird auch in 2019 wieder ausgelobt. Weitere Informationen zur Jury, zu den Preisträgern und Nominierten sowie zur Bewerbung für 2019 finden Sie unter www.dprp.de.

Bildquelle: Simone M. Neumann